Walter Heist

Journalist, Romanist, Literaturkritiker und unabhängiger Sozialist

Hans Berkessel




Ein Leben für die Literatur

Walter Heist, am 4.1.1907 in Steinberg/Oberhessen geboren, kam mit der Familie 1914 nach Mainz. Seine Schulzeit am Mainzer Realgymnasium schloss er mit dem Abitur 1926 ab und kam durch den SPD-Politiker Fritz Ohlhof zur sozialdemokratischen Mainzer „Volkszeitung“. Er schrieb schon während seines Studiums der Romanistik und Germanistik in Frankfurt/M. Theaterkritiken.

Später war er Gründungsmitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) in Mainz und verantwortlicher Redakteur der SAP-Organe „Mainzer Fackel“ und „Arbeitertribüne“. Mit einer Arbeit über das Thema „Wege zum proletarischen Roman in Frankreich“ promovierte er im Dezember 1932. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten setzte sich Heist nach München ab, um einer Verhaftung zu entgehen. Heist, im Mai 1940 zum Kriegsdienst eingezogen, im Frühjahr 1945 verwundet und bis Januar 1947 in englischer Gefangenschaft, gehörte nach dem Krieg zum engeren Kreis um Hans Werner Richter und seine legendäre Zeitschrift „Der Ruf“, aus dem sich später die Gruppe 47 entwickelte.

1952 wurde er Leiter des Mainzer Presseamtes. In diesem Amt hat er sich als Gründer und Redakteur der Zeitschrift „Das neue Mainz“ (1953 – 1970) und der „Kleinen Mainzer Bücherei“ verdient gemacht, die er Schriftstellern und Theaterleuten von Rang wie Anna Seghers, Carl Zuckmayer, Rudolf Frank und Ludwig Berger widmete. Aber auch als Literaturkritiker und Kenner der französischen Literatur der Nachkriegszeit hat Heist weit über seine Heimatstadt Mainz hinaus Bedeutung erlangt.


Über den Autor

Hans Berkessel, StD i. R., geb. 1955, Pädagoge und Historiker, Lehrer an der UNESCO-Projektschule IGS Ingelheim und Regionaler Fachberater Geschichte (bis 2015); Mitherausgeber und Redakteur der Mainzer Geschichtsblätter, langjähriges Mitglied im Bundesvorstand und im Landesvorstand der Deutschen Vereinigung für politische Bildung (DVPB); stv. Vorsitzender des Landesverbands Rheinland-Pfalz des Verbandes der Geschichtslehrer (VGD), und des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e. V. (Gründungsmitglied); Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied der Anna-Seghers-Gesellschaft, Mitherausgeber, Redakteur und Autor des Jahrbuchs Argonautenschiff. Auszeichnungen: Gutenberg-Statuette der Stadt Mainz (2015) und Bundesverdienstkreuz (2016).