Politik in Edelsteinen

Gemmennachschnitte von Gerhard Schmidt

Gerhard Schmidt, Klaus Scherberich, Marcell Perse




Pracht, Prunk und Politik

Als Hofkunst des frühen Principates In den ersten Jahrzehnten nach Christi Geburt waren sie hochgradig politisch - die römischen Prunkkameen aus Lagenachat. Preziosen wie die Gemma Augustea oder der Grand Camée de France verbinden nicht nur die Kostbarkeit des Rohmaterials mit hoher handwerklicher Qualität zu einer unvergleichlichen Ästhetik, sondern waren Träger politischer Bildpropaganda.


Unter Augustus und seinen Nachfolgern kam es zu einer kurzen, aber intensiven Blüte dieser Kunstgattung. Der Edelsteingraveur Gerhard Schmidt aus Idar-Oberstein hat die großen antiken Kameen in den Schatzkammern und Sammlungen der Welt seit 15 Jahren am Original untersucht und in akribischer Kleinarbeit nachgestaltet. Durch Detailbeobachtungen und direkten Vergleich der oft nicht ausleihbaren Originale ergeben sich wichtige Erkenntnisse zur Chronologie und Deutung der Kunstwerke.

Eine Ausstellungskooperation von Jülich, Zülpich, Heerlen, Maastricht und Haltern widmet sich 2019-2022 dem „Geheimnis der römischen Prunkkameen“. Anhand dieser Schatzkunst werden die politischen Hintergründe der Zeit der römischen Etablierung in Germanien deutlich, die für die Geschichte aller am Projekt beteiligten Ausstellungsorte ein zentraler Bezugspunkt ist.

Fragen von Macht, Politik und Bildpropaganda werden bei den Kameen am historischen Beispiel augenfällig. Das Sehen und Verstehen politischer Bildbotschaften ist dabei als Fähigkeit auch für unsere Gegenwart von unverminderter Aktualität.


Über den Autor

Gerhardt Schmidt - Gelernter Edelsteingraveur mit Studienerfahrung aus verschiedenen Ateliers in Deutschland, seit 1993 Atelier in Idar-Oberstein. Ausstellungen in Deutschland, Japan, den USA, der Schweiz, Hongkong und Dubay. Seit 2004 Beschäftigung mit den großen antiken Kameen und Aus-stellung im Kunsthistorischen Museum Wien 2008.

Klaus Scherberich - Studium der Geschichte und lateinischen Philologie in Köln, danach Promotion zur Claudiusvita Suetons. Habilitation an der RWTH Aachen zum Hellenbund des Antigonos Doson, dort seit 2010 Professor für Alte Geschichte.

Marcell Perse - Studium der Ur- und Frühgeschichte und Archäologie mit Geschichte und Kunstge-schichte in Köln, Marburg und Bonn; Mitarbeit im Römisch-Germanischen Museum und Museums-dienst Köln. Seit 1985 als Stadtarchäologe, ab 1992 als Leiter des Stadtgeschichtlichen Museums und seit 1998 des Museums Zitadelle in Jülich tätig. Mitglied der Euregionalen Vicusgruppe (Maas-tricht-Heerlen-Aachen-Jülich).