Die Moderne legte lange Menschen biologisch auf ein Geschlecht fest: Mann oder Frau. Der Band G*tt w/m/d dokumentiert den Diskurs um den Wandel seit der Antike bis zur heutigen Rechtsprechung, die Geschlechtervielfalt anerkennt. Auch transidente Menschen als Verkörperung von Diversität erzählen aus ihrer Biographie und von ihrer Weise, die Bibel zu lesen.

book cover G*tt
Religionsgeschichtliche Überlegungen zu Gender

Eisenzeitliche Figurine mit weiblichen wie männlichen Attributen vom Tel’lra. © The Israel Museum, Jerusalem, Foto: Ofrit Rosenberg.

In der Schöpfungserzählung erschafft Gott den Menschen „nach seinem Bilde, … männlich und weiblich“ (Gen 1,27, siehe Einheitsübersetzung 2016) – ein androgyner Urmensch? Antike und spätere Autoren in Judentum und Christentum diskutieren diese Stelle und malen sie aus. In christlicher Literatur der Mystik gibt es Darstellungen, auf denen Mischwesen weibliche und männliche Merkmale tragen.


Zu Beginn der Neuzeit entscheidet sich Martin Luther gegen diese Lesart und übersetzt die Bibelstelle anders. Auf deutsch heißt es jetzt: „Gott schuf den Menschen … als Mann und Frau“ (Gen 1,27 Lutherübersetzung 2017). Der Originaldruck des Genesiskommentars von Martin Luther ist eine Spur, die erklärt, warum der antike Gedanke des „androgynen Urmenschen“ in Vergessenheit geraten ist. Ein männliches Gottesbild setzt sich durch, das den Schwerpunkt auf Gott-Vater setzt.

Simulation Gestaltung Glasfoyer des Bibelhaus Erlebnismuseums. © Katja Kirchhoff.

Die Sonderausstellung wird vom 23. Juni bis zum 19. Dezember 2021 im Bibelhaus Erlebnismuseum Frankfurt gezeigt. Die digitale Ausstellungseröffnung findet am 22. Juni 2021 um 18:00 Uhr im Livestream auf YouTube statt und kann hier mitverfolgt werden. Der begleitende Ausstellungskatalog G*tt w/m/d – Geschlechtervielfalt seit biblischen Zeiten erscheint pünktlich zum digitalen Start am 22. Juni im Nünnerich-Asmus Verlag.

Wer sich bereits im Voraus auf das Erscheinen des Titels einstimmen möchte, kann unser Interview mit Petra Weitzel (1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.), Veit Dinkelaker (evangelischer Pfarrer und Kurator des Bibelhaus Erlebnismuseum Frankfurt) und dem Theologen Sven Lichtenecker von der Frankfurter Buchmesse 2020 nachhören:

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