Die meisten von ihnen leben abseits der sozialen Wahrnehmung und in oftmals prekären Lebens- und Arbeitsverhältnissen – Prostituierte in Deutschland. Auch das 2017 in Kraft getretene deutsche Prostituiertenschutzgesetz zeigte kaum Auswirkungen auf diese von Armut und Gewalt geprägte Lebenswirklichkeit. Diese gesellschaftlich sichtbar zu machen und einen öffentlichen Diskurs darüber einzuleiten ist Anliegen der Ausstellung und des gleichnamigen Begleitbandes “gesichtslos – Frauen in der Prostitution”. In Zusammenarbeit mit dem Fotografen Hyp Yerlikaya und den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim hat die Beratungsstelle Amalie des Diakonischen Werks Mannheim die Ausstellung und das dazugehörige Buch umgesetzt. Die Ausstellung ist ein Fotoprojekt, das auf authentischen Erfahrungsberichten der dargestellten Frauen basiert, die in der Prostitution tätig sind.

Der Fotograf Hyp Yerlikaya hat die Frauen über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und dabei über 1800 Fotografien erstellt. Aus diesen wurden 40 Bilder für die Ausstellung und den Begleitband ausgewählt.

Der Ausstellungskatalog “gesichtslos – Frauen in der Prostitution” im letzten und größten Raum der Ausstellung

Pressekonferenz als Auftakt zur Ausstellung

In der heutigen Pressekonferenz (10.11.2021) stellten die Reiss-Engelhorn-Museen, vertreten durch den Generaldirektor Prof. Dr. Wilfried Rosendahl, die Kuratorin Stefanie Herrmann M.A. sowie die Gründerin und ehemalige Leiterin der Beratungsstelle Amalie Prof. Dr. Julia Wege und der Direktor des Diakonischen Werks Mannheim, Michael Graf, die Idee, Realisierung und Anliegen der gemeinsamen Ausstellung vor. Für Michael Graf ist Prostitution “ein Menschenrechtsthema”, das durch die Ausstellung einem breiten Publikum eine Zugangsmöglichkeit zu den Lebenswirklichkeiten der “ökonomisch und sexuell ausgebeuteten” Frauen bieten soll. Die Niederschwelligkeit zum Besuch der Ausstellung durch “kostenfreien Besuch” betonte Wilfried Rosendahl. Julia Wege wies vor einer großen Menge interessierter Journalist*innen darauf hin, dass die derzeitige rechtliche Situation des Prostituiertenschutzgesetzes von 2017 bei Weitem “nicht ausreiche, die prekäre Situation der Prostituierten zu lindern oder gar zu ändern.” Der Kuratorin Stefanie Herrmann war es wichtig zu erklären, dass mit den ausgesuchten Fotografien “keine voyeuristischen Klischees bedient werden sollen.” Viel eher sei der Schwerpunkt auf die realen Arbeits- und Lebenssituationen und damit auf die Schutzlosigkeit, Ängste und Träume der Frauen in der Prostitution gelegt.

Von links nach rechts: Prof. Dr. Wilfried Rosendahl, Prof. Dr. Julia Wege, Stefanie Herrmann M.A., Michael Graf

Im Anschluss an die Pressekonferenz führten Julia Wege und Stefanie Herrmann durch die Ausstellung.

Einige der hier gezeigten Fotos möchten eine Preview auf die Ausstellung geben.

Die Ausstellung “gesichtslos – Frauen in der Prostitution” ist vom 14.11.2021 bis zum 20.02.2022 in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim zu sehen.

Presseberichte:

Süddeutsche Zeitung vom 10. November 2021 “Ausstellung gibt Prostituierten eine Stimme”

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